Urlaub auf dem Land und Ferien am Meer: Wer Apulien bucht, kann beides haben! Italiens Stiefelabsatz punktet mit 800 Küstenkilometern und ist abseits bekannter Hafenorte wie Bari und Brindisi noch ein Geheimtip.
Runde Steinbauten mit Dächern, die sich zu spitzen Kegeln türmen: Wer durch die hügelige Landschaft der Valle d'Itria kurvt, fährt mitten rein ins Trulli-Land ...
Und genau da will ich hin! Denn mit Freunden habe ich mir im Herzen von Apulien ein Trullo gemietet. Eines dieser berühmten Häuschen, die, verstreut zwischen Olivenhainen, Wein- und Gemüsegärten von weitem wie weiße Bienenkörbe mit schwarzen Zipfelmützen ausschauen.
Rund 5000 Trulli soll es in der Gegend zwischen den Küstenorten Bari, Taranto und Brindisi geben. Das sagt jedenfalls unser Reiseführer. Und mittendrin liegt Alberobello, Trullo-Hauptstadt und Weltkulturerbe.
Dort kann man nicht nur Wohnhäuser, sondern auch eine Kirche in Trullo-Architektur bestaunen. Und ein Museum besuchen, das die Geschichte der rund 300 Jahre alten Natursteinbauten erzählt („Musen del Territorio”, täglich geöffnet von 10.30 bis 19.30 Uhr).
Unser Trullo, eine urgemütliche Herberge mit Holzbalken an den Decken und Rundbögen statt Türen, ist wunderbar. Ein Pool im Garten und Blick bis zum Meer - wir bereuen es keine Sekunde, daß wir uns gegen ein Strandhotel und für ein Ferienhaus in Apuliens Hinterland entschieden haben.
Eine Küste zum KüssenTrotzdem heißt es am nächsten Morgen erst einmal: mare, mare, mare! Immerhin darf sich die Provinz Apulien mit der längsten Küste Italiens schmücken. Und die ist stolze 800 Kilometer lang!
Angefangen am Stiefelsporn im Norden, dem Gargano, wo es verträumte Kieselbuchten und flache Sandstrände vor weißen Klippen gibt. Baia di Manaccora, Spiaggia Scialmarino (ideal zum Surfen), Spiaggia del Castello und Baia delle Zagare heißen die schönsten Planschbecken.
Und wer alle sehen möchte, bucht einen zweistündigen Bootsausflug, der im Hafen von Vieste startet (Erwachsene 13 Euro, Kinder 6 Euro).
Wir fahren allerdings gleich weiter in Richtung Kap Santa Maria di Leuca, wo sich Apuliens Küste von ihrer zauberhaftesten Seite zeigt. Zwar sind es einige Kilometer bis in den Salento, den Süden der Provinz, doch auf gut ausgebauten Schnellstraßen mit Meerblick macht sogar Autofahren Laune. Vor allem, wenn man ein Cabrio gemietet hat!
In Otranto beginnt die kurvenreiche Küstenreise Richtung Stiefelspitze. Hier trifft die Adria das Ionische Meer.
Hübsch, der winzige Badeort Porto Badisco. Schick, schick, das mondäne Marina Serra. Besonders kinderfreundlich: die Marina San Giovanni, eine Pinienbucht mit Sandstrand und dem Robinson Club „Apulia".
Wir wollen unbedingt noch abtauchen und geben Gas bis Gallipoli. Ein Sprung ins türkis schimmernde Wasser - ganz wunderbar!
So allgegenwärtig wie das Meer ist in Apulien nur noch der Stauferkaiser Friedrich II. Über seine Baulust in Süditalien staunte schon im Mittelalter die Welt (das brachte ihm übrigens seinen Spitznamen "stupor mundi" ein).
Kultur und CappuccinoEin gutes Beispiel für seine Reißbrett-Architektur: das Schloß Castel del Monte, 50 Kilometer westlich von Bari. Schon von weitem schaut man auf das weiße achteckige Kastell, dessen achteckige Türme sich scharf vom Blau des Himmels abzeichnen. Eingang, Treppenaufgänge und die Position der Fenster - die strenge Schönheit der Burg wurde exakt berechnet.
Ob der Kaiser die "steinerne Krone Apuliens" als Jagdschloß nutzte oder sie ein Ort der Wissenschaft und Meditation war – wir wissen es nicht. Klar ist, daß Castel del Monte ohne Graben, Zugbrücke und Stallungen nie eine Trutzburg sein wollte.
Sie stehen eher auf verspielte Formen? Dann ab in die Barockstadt Lecce! Im bürgerlich-eleganten Zentrum mit seinen Kirchen und Palästen läßt sich prima ein Tag verbummeln.
Die Piazza del Duomo oder die Basilica Santa Croce: Mehr Schnörkelei geht nicht! Fans der romanischen Architektur sei die Basilika San Nicola in Bari zu empfehlen - der Prototyp aller apulischen Kathedralen.
Überhaupt Bari. Bari ist toll! Vor allem, wenn man mal eine Pause vom Kulturprogramm braucht. Am besten bestellen Sie einen Cappuccino im „Café Saicaf" und beginnen dann auf dem Corso Cavour mit einer gemütlichen Shoppingtour.
Ab 22 Uhr spielt die Musik in der Altstadt. Der labyrinthische Stadtkern wurde vor ein paar Jahren saniert und ist seitdem Treffpunkt der Nachtschwärmer. Bei der Bareser Szene sehr beliebt: die Bars der Piazza Mercantile.
Wir machen uns trotzdem lieber ins dreißig Kilometer entfernte Polignano a Mare auf und tafeln zum Sonnenuntergang im "Grotta Palazzese" einer Grotte über dem Meer. Langusten, und melanzana alla campagnola, Auberginenauflauf mit Minze - herrlich!
Von der Piazza ins Trullo-BettSpäter spazieren wir Richtung Dorfplatz und reihen uns satt und zufrieden in den allabendlichen Corso, die Flaniermeile rund um die Piazza ein.
„Ma certo", aber sicher, ein Eis geht immer noch! Das beste gibt's in der „bar turismo" - vom Meister selbst gerührt und aufs Hörnchen gespachtelt!
Danach wollen wir nur noch eins: glücklich und zufrieden ins Trullo-Bett! Und morgen, soviel ist sicher, wird am Pool relaxed! Wobei: Die Grotte Castellana, Italiens größten Höhlenkomplex, müssen wir uns unbedingt noch anschauen und auch zu den Tremiti-Inseln (ein Taucherparadies), wollen wir hin. Na, und Monte Sant Angelo, der älteste Pilgerort in Europa...
Aber wir haben ja noch ein paar Tage Zeit. Und wieder kommen wir auch. Das haben wir unserem Trullo schon am ersten Abend fest versprochen!
Reiseinfos(…)
Wohnen: Einen Trullo für zwei Personen gibt's in Alberobello ab 425 Euro/Woche. Buchung: „
Apulien-Reisen.de", Tel. 04106/79 82 92, www.apulien-reisen.de (…)
Auszug aus BILD, 19. April 2005, S. 24, Autor: Jutta Christoph.