Toskana meldet "alle Villen ausverkauft"
Immobilien-Boom in Italien: Käufer kommen hauptsächlich aus Deutschland. Apulien wird zum Geheimtipp
Aus der Traum vom Landleben in der Toskana: Die begehrteste Region Italiens ist ausverkauft. Auf den wunderschönen Hügeln des Chianti-Tals wurden selbst die letzten Ruinen an den Käufer gebracht.
Die Nachfrage nach Landhäusern in Italien erlebt einen beispiellosen Boom. Die Immobilien-Agenturen in vielen Gegenden Italiens verzweifeln, weil sie sich vor Kundenanfragen - vor allem aus Deutschland - kaum noch retten können, aber keine Verkaufsobjekte mehr finden. Vor allem die beliebten Urlaubsgebiete der Toskana sind betroffen: Rund um Pienza, bei Siena und in der Nähe von Florenz steht der Markt praktisch still.
In den vergangenen fünf Jahren wuchs der Handel mit Landhäusern in Italien um 57,7 Prozent. Boom-Region ist jetzt die Lombardei: Dort gibt es noch ein großes Angebot an leerstehenden Bauernhäusern und Gutshöfen. Im vergangenen Jahr wechselten dort 4000 Landhäuser den Besitzer. Im Jahr 1997 wurden in ganz Italien nur 13 000 Landhäuser verkauft, im Jahr 2001 waren es bereits 20 500. Nach Angaben der Fachagentur Scenari Immobiliari stieg die Nachfrage im Jahr 2002 erneut dramatisch an.
Kunden, die im Herzen der Toskana die Suche nach dem geeigneten Traumhaus frustriert aufgegeben haben, wenden sich in jüngster Zeit immer mehr gen Norden. An der Grenze zu Ligurien stehen noch einige Resthöfe zum Verkauf: Allerdings zu stolzen Preisen. Eine Ruine in reizvoller Lage mit einem oder zwei Hektar Land, die sich zu einem Landhaus mit 150 qm Wohnfläche ausbauen ließe, kostet nicht unter 180 000 Euro. Restaurierte Häuser mit einem Hektar Land sind kaum unter 450 000 Euro zu haben. Viele Deutsche, die ihren Traum vom Landhaus in Italien verwirklichen wollen und denen die Toskana zu teuer war, suchten in den vergangenen Jahren in Umbrien. Doch auch dort stehen so gut wie keine Objekte mehr zum Verkauf. Nirgendwo explodierten jedoch die Preise so sehr wie rings um Rom. Im Umkreis von einer Autostunde der Hauptstadt sind Landvillen erst ab mindestens einer Million Euro zu haben.
Nur eine einzige Region kann zurecht als Geheimtipp angesehen werden: Apulien. Hier stehen noch einige "Masserie" leer, wie die typischen einem Fort ähnelnden Gutshöfe heißen. Auch "Trulli", die sehr schlichten runden Behausungen, lassen sich hier noch vereinzelt finden. (…)
Auszug aus: WELT ONLINE, 3. Juli 2002, Autor: SAD.