In Rom und Venedig schieben sich Touristenmassen über die Piazzas, in Ligurien und in der Toskana gibt es mitunter «Stau» auf Wanderwegen. In Apulien aber herrscht Ruhe.
Bari - In Rom und Venedig schieben sich Touristenmassen über die Piazzas, in Ligurien und in der Toskana gibt es mitunter «Stau» auf Wanderwegen. In Apulien aber herrscht Ruhe. «Finis terrae», Ende der Welt, nannten die Römer den Stiefelabsatz Italiens.
Heute lockt diese vom Massentourismus noch nicht entdeckte Gegend mit einsamen Ständen entlang der 800 Kilometer langen Küste und mit 300 Sonnentagen im Jahr. In der Region mit ihren Provinzen Bari, Brindisi, Foggia, Lecce und Taranto im äußersten Südosten der Halbinsel finden Ruhesuchende schöne Buchten mit klarem Wasser und viele historische Dörfer. Und auch nach den schweren Waldbränden im Sommer 2007 sind viele schattige Olivenhaine in der Region zu finden. (…)
Wer sich auf dem Land erholen möchte, kann es der britischen Schauspielerin Helen Mirren gleichtun - die Oscar-Preisträgerin hat sich in Apulien eine «Masseria» als Feriensitz gekauft. So heißen die Landgüter, die inmitten von Oliven-, Orangen- und Zitronenhainen liegen. Viele wurden in den vergangenen Jahren in Hotels umgewandelt wie die «Masseria Borgo San Marco» bei Fasano. In den Gemäuern aus dem 10. Jahrhundert lebten einst Mönche.
Die quirlige Küchenchefin Maria führt interessierte Gäste in die Geheimnisse der italienischen Küche ein und zeigt ihnen wie zum Beispiel die für die Region typischen Öhrchen-Nudeln Orecchiette gemacht werden: von einem dicken Teigstrang schneidet Maria dünne Scheiben ab und bringt sie mit dem Daumen in die rundliche Form.
Die Küche Apuliens ist einfach, rustikal, aber köstlich. Die Orecchiette-Nudeln werden traditionell mit einem brokkoliartigen Gemüse oder mit einer Tomatensoße serviert. In den Häfen lassen sich Fischer beobachten, die in bunten Plastikschüsseln Tintenfische so lange hin und herschütteln, bis sich ein weißer Schaum bildet. Durch das lange Schütteln und Klopfen wird das Fleisch weich und zart.
In der Region um Lecce wird deftiges Pferderagout serviert, aus dem Landesinneren kommen frisches Obst und Gemüse sowie cremig zarter Ricotta. Das Olivenöl gehört zu dem besten Europa. Auch die Weine Apuliens werden gerühmt. Gemeinsam mit Sizilien ist Apulien die größte Weinbauregion Italiens. Die Halbinsel Salento ist gar eines der ältestens Weinbaugebiete der Welt. Schon vor 3000 Jahren pflanzten hier die Phönizier und Griechen Rebstöcke. (…)
Auszug aus: Kölner Stadt-Anzeiger / ksta.de, 16.10.2007, Autor: Claudia Steiner.